Das Ruhrgebiet: (K)ein Standort für ein Luxushotel?
Köln hat einige seiner Luxushotels in der Nähe des Doms. In Düsseldorf findet man die elegantesten Hotels an der Königsallee. Aber im Ruhrgebiet haben es anspruchsvolle Hotelgäste nicht einfach. Keines der Zentren im bevölkerungsreichsten Ballungsraum der Bundesrepublik weist ein 5-Sterne-Hotel auf. Um ein Haus der obersten Preisklasse zu finden, kann man in den Innenstadtbereichen vergebens suchen. „Essen und Dortmund sind –außer Frage- keine klassischen Ferienziele, noch nennenswerte Städtereiseziele. Trotzdem ist es erstaunlich, dass zwei der größten Städte Deutschland im obersten Hotellerie-Segment derart unerschlossen sind“, kommentiert Ralph Pass, Vorsitzender des Immobilienverbands IVD West.
Im Vorfeld von Ruhr 2010 hat die Immobilienberatungsfirma Stiwa die Lage genau analysiert. Zwar gibt es mit 698 Hotels von Duisburg bis Dortmund ein über 7 Prozent höheres Angebot als in Ber-lin (648 Hotels), allerdings liegen lediglich 0,5 Prozent der 41 000 verfügbaren Hotelbetten im 5-Sterne-Bereich. In der deutschen Übernachtungsstatistik rangiert der Ruhrpott auf Platz 4, nach Berlin, München und Hamburg. Im letzten Jahr wurden mehr als 5,98 Millionen Übernachtungen gezählt – mehr als in Frankfurt (Main) und Köln. Gleichzeitig lag die durchschnittliche Kapazitätenauslastung bei 38,9 Prozent. Bedeutendster Standort bleibt die Stadt Essen, die allein 1,08 Millionen Übernachtungen und eine Auslastung von 44,1 Prozent auf sich vereinigen kann. Mit einer internationalen Nachfrage von 17,5 Prozent liegt das Ruhrgebiet hinter den großen deutschen Metropolen. Für das Kulturhauptstadtjahr 2010 wird mit einer Steigerung der Übernachtungszahlen um 500 000 gerechnet.
Derzeit
befinden sich 14 Hotelprojekte in der Region in konkreter Planung oder
im Bau. Das sind rund 1 600 Betten. Der durch eine stichprobenartige
Untersuchung ermittelte Nettodurchschnittspreis beträgt 63,50 Euro,
wobei Essen und Duisburg die teuersten Hotelpreise im Ruhrgebiet
aufwiesen. Ein interessantes Merkmal der Hotellerie an der Ruhr ist
neben einem verhältnismäßig niedrigen Hotelzimmerpreis und geringem
Anteil an Besuchern aus dem Ausland die durchschnittliche
Betriebsgröße. Mit 52 Zimmern pro Hotel (Spitzenwert in Bochum mit 93
Zimmer pro Hotel) im Ruhrgebiet, zeigt sich eine Struktur von meist
privat geführten Klein- und Kleinstbetrieben, wie sie eher im
ländlichen Raum in Erscheinung tritt. Und im ländlichen Raum des
Ruhrgebiets, genauer gesagt etwas außerhalb von Essen, da kann man
sogar auf das Ungewöhnliche treffen: eines der „führenden Kleinhotels
der Welt“. „Es gibt einen Bedarf an Luxushotels im Ruhrgebiet und ich
bin mir sicher, dass die Nachfrage -besonders nach den städtebaulichen
Verbesserungen im Zuge von Ruhr 2010- steigen wird.“, bekräftigt Ralph
Pass. Ob Großbetreiber wie Accor, Kempinski oder Fairmont dieses
Potential auch sehen, bleibt offen.
Quelle: IVD (Immobilienverband Deutschland)
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