Preisträger des Gestaltungs- und Realisierungswettbewerbs ermittelt
Am 28. April 2009 vergab das Preisgericht des
Wettbewerbs zum Thema „Phantasiewelten – die Suche nach dem Machbaren“
in Neu-Ulm unter dem Vorsitz von Prof. Jan R. Krause drei 1. Preise
sowie 2 Sonderpreise.
Der Jury gehörten weiterhin der Journalist Dipl.-Ing. Dirk Meyhöfer
sowie der Vorsitzende des Bundesverbandes Ausbau und Fassade im ZDB,
Dipl.-Math. Stuckateurmeister Jürgen G. Hilger an.
Von den Studierenden im Hauptstudium
Architektur/Innenarchitektur sowie von den angehenden und zukünftigen
Meisterschülern des Ausbaugewerbes wurden eine unbefangene
Herangehensweise und unkonventionelle Lösungsansätze bei der Umsetzung
der Wettbewerbsaufgaben hinsichtlich der Gestaltung der zukünftigen
Wohnwelt erwartet.
Die Technische Universität Dortmund, die SRH Hochschule
Heidelberg, die Fachhochschule Hannover (FHH), die Beuth Hochschule für
Technik Berlin sowie die Hochschule Darmstadt hatten sich mit insgesamt
19 Projektarbeiten an dem bundesweit ausgeschriebenen Wettbewerb
beteiligt.
Drei 1. Preise zu je 1.000 EUR sowie zwei Sonderpreise zu je
250 EUR wurden nach drei Bewertungsrundgängen und intensiver Diskussion
in der 2. Stufe des Wettbewerbs durch die Jury ermittelt.
1. Preis: Beitrag – Nr. 10
Fachhochschule Hannover
Titel: „Future Living – Leben im Familienrahmen“
Verfasserin: Nadine Büttgen
Betreuung: Prof. Dipl.-Ing. Bernd Kreykenbohm
Der Preis wird von der Jury einstimmig vergeben, weil diese Arbeit
innerhalb des Themas „Phantasiewelten – die Suche nach dem Machbaren“
sich schon im Ansatz ausdrücklich den demographischen Veränderungen der
Welt des 21. Jahrhunderts stellt. Sie tut es am Beispiel einer
Modellfamilie, die in mehreren Generationen miteinander individuell
leben soll und liefert eine komplexe und verblüffend plausible Lösung
auf mehreren Ebenen: Das beginnt mit der nachhaltigen Verdichtung im
Städtebau sowie einer modularen Raumlösung mit individuellen
Gestaltungsräumen für die Bewohner und gipfelt in einem ästhetischen
und unaufdringlichen Minimalismus in Konstruktion und Architektur.
Die angehende Architektin liefert mit ihrer eigenen
professionellen Kreativität ein sanftes Flussbett, die Bewohner
entscheiden über ihren eigenen „Wohnfluss“, deren Richtung sie immer
wieder ihren sich ändernden Lebenszielen anpassen können.
Dabei ist das Kompositionsprinzip verblüffend einfach: Das
Modul besteht aus Variationen von Rahmen, die ohne Überschneidungen,
Schicht für Schicht immer wieder neue Räume anbieten. Nebenbei
entstehen jeweils zwischen zwei Rahmen Möglichkeiten, Installation und
Kabelschächte zu verlegen.
Die Jury wünscht sich allerdings eine Weiterentwicklung des
Rahmenprinzips, der hier noch in Betonbauweise vorgesehen ist, in
Richtung einer konstruktiven Lösung, bei der der Wandaufbau zusammen
mit dem Trockenausbau in eine noch energieeffizientere Richtung
optimiert werden kann.
1. Preis: Beitrag Nr. 14
Beuth Hochschule für Technik Berlin
Titel: „sustainable eco strap – das nachhaltige ökologische Wohnband“
Verfasser: Abid Öner, Babak-Patrick Mahdawi-Nader, Halit Öner
Betreuung: Prof. Dr.-Ing. Holger Kühnel
In der Bewertung der Jury haben die Studenten der Beuth-Hochschule
für Technik Berlin, Herr Abid Öner, Herr Babak-Patrick Mahdawi-Nader
und Herr Halit Öner einen überragenden Beitrag zum Wettbewerb
„Phantasiewelten – Die Suche nach dem Machbaren“ geleistet.
Die präsentierte Wohnwelt aus rhythmisch vor- und
zurückspringenden Bandstrukturen spiegelt eine Lebendigkeit und
Vielfalt wider. Nicht nur werden durch die räumliche Anordnung der
parallelen Bänder dynamische Raumabgrenzungen geschaffen, sondern die
Bänder finden auch als Möbel, Sitzflächen und Raumteilungen Verwendung.
Im Vordergrund steht bei der Gestaltung der Bänder, die sich
aus dem Boden erheben und über Wandflächen zur Decke werden, die
Konstruktion mit ökologischen Baustoffen.
So ist ein Mix aus Stampflehmkork als Füllmaterial mit
schalldämmender und raumklimatisierender Wirkung zusammen mit den
Trockenbauoberflächen dazu geeignet, alle Anforderungen an Oberflächen
zu erfüllen, die mit Lehmfinish, Kalkglätte und Tadellackt in
Feuchträumen zu erstellen sind.
Es fehlt jedoch der Bezug zum oberen Raumabschluss der
Gesamtwohnwelt und fordert damit einen Ausblick auf noch zu erstellende
Einzellösungen der Gesamtarbeit.
Im Hinblick auf die Präsentation auf der Messe Farbe Ausbau
& Fassade in München 2010 schlägt die Jury vor, nicht wie von der
Teilnehmergruppe vorgesehen den Schlafbereich sondern den
Teilausschnitt Wohnen/Essen im Maßstab 1:1 zu realisieren. Der Preis,
der als einer unter drei gleichwertigen Preisen vergeben wird, wird für
die gute Gesamtdarstellung, für den hohen und innovativen
architektonischen Anspruch unter Einbeziehung der veränderten
Wohnbedürfnisse zuerkannt.
1. Preis: Beitrag Nr. 17
Hochschule Darmstadt
Titel: „Frame“
Verfasser: Friederike Nürnberg
Betreuung: Prof. Dipl.-Ing. Kerstin Schultz
„Frame“ ist der Entwurf einer temporären Wohnform für eine
mobile Gesellschaft. Denkbar ist die Errichtung als Wohnraum in
ungenutzten Hallen oder als Wohnhaus in der freien Landschaft. In
modularer Trockenbauweise werden Winkel so aneinander gefügt, dass sie
einen Raum aufspannen. Durch Reihung der Winkel entstehen
variantenreiche Wohnlandschaften mit verschiedenen funktionalen Zonen.
Küche, Bad, Arbeits-, Schlaf- und Wohnbereiche wechseln mit Atrien und
Gartenhöfen. Das konstruktive System ist dem Zweck angemessen, die
Vorfertigung folgt den Methoden des modernen Trockenbaus. Modularität
und Transportfähigkeit entsprechen dem Konzept der Mobilität. Geschickt
platzierte Öffnungen in Wand und Decke bringen viel Tageslicht in den
Raum und schaffen atmosphärische Verbindungen zum Außenraum. Darin
unterscheidet sich der Entwurf von bekannten Container- und
Modullösungen und bringt neue Qualitäten in diese Typologie. Die
Fassaden sind nur schematisch dargestellt und erreichen nicht die
Qualität des Entwurfskonzepts. Auch die Eingangssituation und Verortung
in der Landschaft ist überarbeitungswürdig. Insgesamt aber liefert der
Entwurf einen wertvollen Beitrag zu veränderten Wohn- und
Lebenssituationen.
Sonderpreis – Beitrag Nr. 6
SRH Hochschule Heidelberg
Verfasser: Edwin Kömpel
Betreuung: Prof. Dipl.-Ing. Claudia Nickel
Der Entwurf präsentiert eine architektonisch spannende
Baulückenschließung, die allerdings als singuläre Lösung zu verstehen
ist. Der Vorschlag einer modulhaften Ausstattung für wesentliche Möbel-
und Einrichtungsteile macht den Entwurf modellhaft: Sollte sich nach
weiterer Bearbeitung herausstellen, dass die vorgestellten Objekte
leicht und (auf Rollen?) beweglich genug sind, würden Sie sich für
bestimmte Lebensphasen der heutigen modernen Nomaden sehr gut eignen.
Die Jury sieht in diesem Vorschlag in Zusammenhang mit dem
Trockenausbau eine reizvolle Herausforderung: Auf der Nahtstelle von
Objekt, Ausbau und Möbel erhält der Trockenausbau eine neue Qualität:
Mobilität. Ein Thema, das es weiter zu erforschen gilt.
Sonderpreis – Beitrag Nr. 9
SRH Hochschule Heidelberg
Verfasser: Matthias Bornhofen, Sophia Pasparakis, Jana Winkler
Betreuung: Prof. Dipl.-Ing. Claudia Nickel
Der Entwurf einer „Work & Cook Insel“ ist eine dynamische
Interpretation der Küche als Begegnungs- und Erlebnisort. In offener
Wohnküche oder in Restaurant und Lounge soll sie als skulpturales
Objekt zum „Hingucker“ werden. Ein Tresen mit Herd und Spülbecken wird
umspült von mehrfach gekrümmten Bänken. Ebenfalls gekurvte Paravents
mit reliefartigen Intarsien schirmen die Küchenbar ab. Eine Antwort auf
Fragen nach dem Wohnen der Zukunft vermag dieser Entwurf eines Möbels
nicht zu liefern. Gleichwohl wird der Gestaltungsanspruch mit einem
Sonderpreis „Möbel“ gewürdigt. Hier ist das Potenzial des modernen
Trockenbaus noch nicht ausgeschöpft. Bei aller Virtuosität in der
digitalen Erfindung freier Formen ist jedoch die Funktionalität im
Blick zu halten. Fraglich sind die Eignung geneigter Sitzflächen und
die beschränkte Arbeitsfläche. Zur Weiterentwicklung wird das im
Modellbau erzeugte Relief im Paravent empfohlen.
Unter stuck@zdb.de können Sie Bilder von der Ausstellung in Neu-Ulm erhalten
Quelle: Pressemitteilung Zentralverband Deutsches Baugewerbe, www.zdb.de
Anhänge:
BAF-2009 Phantasiewelten.pdf
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