Berlin (ots)
Der deutsche Gewerbeimmobilienmarkt leidet auch weiterhin unter den
Belastungen der aktuellen Wirtschaftskrise, allerdings ist eine
Trendwende in den nächsten zwölf Monaten in Sicht. Das ist das Ergebnis
einer Expertenbefragung, die Berlin Hyp und Landesbank Berlin AG (LBB)
im Juni 2009 durchgeführt haben.
Rund 140 Marktteilnehmer aus
dem In- und Ausland gaben dabei ihre Meinung ab. Demnach geht mit 78,1
Prozent aktuell zwar eine deutliche Mehrheit der Befragten von weiter
sinkenden Transaktionsvolumina aus. Dieser Anteil reduziert sich
allerdings in der Zwölf-Monatssicht auf 54,7 Prozent, wobei sogar 25,6
Prozent dann bereits wieder von steigenden Volumina ausgehen. "Dies
gibt Anlass zur Hoffnung, dass wir die Talsohle durchschritten haben -
allerdings ausgehend von einem sehr niedrigen Niveau im 1. Quartal
2009", kommentiert Dr. Thomas Veit, Mitglied des Vorstands der LBB und
dort für das Immobilienfinanzierungsgeschäft zuständig. Insgesamt
bekommt Deutschland ein vergleichsweise gutes Resultat: 54 Prozent der
befragten Fachleute bewerten den deutschen Markt für Gewerbeimmobilien
im europäischen Vergleich als etwas attraktiver, 13,1 Prozent als viel
attraktiver. Zu den Top-Regionen zählen München, Hamburg und Berlin.
Die Attraktivität jener Städte wird nach Ansicht der Experten auch in
den kommenden zwölf Monaten eher weiter zunehmen, währenddessen
Düsseldorf, Frankfurt, Köln sowie Dresden und Leipzig laut Prognose
eher an Attraktivität einbüßen werden. Zunehmendes Engagement am
Immobilienmarkt erwarten die Befragten von Seiten privater und
institutioneller Investoren aus Deutschland sowie von Versicherungen
und Kapitalanlagegesellschaften. Institutionelle Investoren aus dem
Ausland werden ihr Engagement dagegen eher zurückfahren. Gleiches gilt
für Immobilien AGs/REITs und Banken.
Mit Blick auf die Segmente
schneidet der Wohnimmobilienbereich hinsichtlich der Kaufpreis- und der
Mietentwicklung am besten ab - sowohl in Bezug auf die aktuelle Lage
als auch in der Zwölf-Monats-Prognose. Aktuell sind nur 32,1 Prozent
der Meinung, dass die Kaufpreise sinken, knapp die Hälfte sieht eine
konstante Entwicklung. In einem Jahr dagegen halten bereits 38,6
Prozent wieder steigende Preise für Wohnimmobilien für wahrscheinlich.
"Hier spielen sicherlich auch Gedanken zum Inflationsschutz eine
maßgebliche Rolle", sagt Jan Bettink, Vorstandsvorsitzender der Berlin
Hyp. "Auf Sicht gehen wir deshalb davon aus, dass die Immobilie als
Assetklasse gestärkt aus diesen schwierigen Zeiten hervorgehen wird."
Momentan
vom Kaufpreisrückgang deutlich mehr betroffen sind das Büro- und das
Hotelsegment. Aktuell sehen über 80 Prozent der Befragten fallende
Preise. Im Logistik-Bereich und im Einzelhandel sind es jeweils knapp
71 Prozent. An diesem Trend ändert sich auch in der Ein-Jahres-Prognose
nichts, allerdings mit leicht schwächerem Rückgang. Hinsichtlich der
Mietpreisentwicklung überwiegt im Wohnsegment dagegen ein
erfreulicheres Bild: 50,6 Prozent (aktuell: 36,4 Prozent) der
teilnehmenden Experten erwarten in den nächsten zwölf Monaten bereits
wieder steigende Mieten und 42,3 Prozent (aktuell: 54,7 Prozent) gehen
von einem konstanten Niveau aus. In den Segmenten Büro und Hotel, aber
auch in den Bereichen Einzelhandel und Logistik erwartet die Mehrheit
der Befragten auch noch im Prognosezeitraum weiter fallende Mietpreise,
allerdings auch hier mit abnehmender Tendenz.
Befragt nach dem
Zustimmungsgrad ("stimme eher zu" bzw. "stimme zu") bezüglich
hypothetischer Markttrends waren sich die Experten in folgenden Punkten
weitgehend einig: Investoren spekulieren nach wie vor auf fallende
Preise und warten ab (83,2 Prozent). Die Haltedauer von Beständen wird
weiter zunehmen (84,7 Prozent). Insgesamt geht aber die Mehrheit (81,8
Prozent), mit der These, dass sich der Markt "aktuell gesund
schrumpft", konform. Trotz der schwierigen Wirtschaftslage bleiben auch
Themen wie "nachhaltiges Bauen" von Interesse (70,8 Prozent).
Kritisch
gesehen wird der sich abzeichnende Konsolidierungsprozess in der
Bankenlandschaft. Die Aussage, diese Bereinigung fördere die
Transparenz, findet nur wenig Zustimmung ("stimme gar nicht zu" bzw.
"stimme eher nicht zu": 65,0 Prozent). Die überwiegende Mehrheit der
Befragungsteilnehmer (94,1 Prozent) sieht die aktuelle
Risikosensibilität der Banken kritisch, da diese den Markt zusätzlich
belaste. "Aufgrund gestiegener Refinanzierungs- und Risikokosten werden
momentan höhere Anforderungen im Kreditgeschäft gestellt", erläutert
Bettink. "Darauf müssen sich beide Seiten - Kunden wie Banken - leider
noch einstellen." Im Zentrum der Diskussion stehen nach Ansicht der
befragten Experten in den kommenden zwölf Monaten die
Finanzierungsbereitschaft von Banken, Inflationsängste und die
erwartete Zinsenwicklung.
Die vollständigen Umfrageergebnisse finden Sie unter www.berlinhyp.de bzw. www.lbb.de
Kategorie: Presseinfo
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